Bakterien-Getümmel in gedüngten Feldern, Pfützen und Gewässern
Ja, jeder Hundehalter kennt es….wenn mal wieder kein Handtuch greifbar ist… 😀 

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Auch wenn es sich hierbei vermutlich um Matsch handelt und kein gedüngtes Feld, ist Vorsicht geboten! So wie diese Kerlchen nehmen unsere Hunde und Freigängerkatzen gerne das Wasser auf und löschen auch mal ihren Durst. Dass sich hierbei viele gefährliche Bakterien tummeln, wird leider oft ausser Acht gelassen.
Ich möchte heute über die wichtigsten Formen der Chlostridien schreiben, da sich hinter diesem Bakterienstamm eine Vielzahl von Erkrankungen verbirgt.

Chlostridrien spp.
1.) Botulismus
Für die „Barfer“ unter uns, also all diejenigen, die ihre Tiere „biologisch artgerecht roh füttern“, ist Botulismus mit Sicherheit ein Begriff. Botulismus wird durch das Bakterium Chlostridium botulinum (botulus,lat.= Wurst) übertragen, hierbei wird die Reizweiterleitung von Nerv zu Muskel blockiert.

Ursache:

  • Auftauen einer verschlossenen Fleischpackung unter Luftausschluss
    –> Giftstoffe (Neurotoxine) entstehen, leicht zu erkennen an der Gasbildung der Verpackung
  • verdorbenes Dosenfutter (aufgeblähter Deckel)
  • Beschnüffeln und Belecken/Fressen von Tierkadavern, insbesondere von Geflügel, kann zu Botulismus führen
  • das Aufnehmen von kontaminierter Silage (Pferde!)
  • Aufnahme des Bakteriums durch kleine Wunden/Abzesse
  • Trinken von kontaminiertem Wasser (verendetes Geflügel), vor allem im Sommer, wenn das Wasser abgestanden ist
  • oder das Fressen von Gülle auf gedüngten Feldern in großer Menge (Rinder scheiden dieses Bakterium im Kot aus)

kann zu Botulismus führen.

Es ist das gefährlichste Bakterium und wird als stärkstes bakterielles Gift bezeichnet. 0,001mg/kg Körpergewicht ist für das Pferd schon tödlich.
Hunde gelten als recht immun gegen Botulismus, da sie eine andere, aggressivere, enzymatische Zusammensetzung des Verdauungsapparates als zB wir Menschen haben, ihr verdorbenes Futter eher erbrechen würden. Dennoch gibt es seltene Fälle, deren Symptomatik sich folgendermaßen zeigt:

Beim Hund:

  • Symptomatik wie bei einem Bandscheibenvorfall- steifer Gang, „Hexenschuss“, Nachhandschwäche, spätere schlaffe Lähmung aller vier Gliedmaßen möglich
  • Versteifung des restlichen Körpers
  • vermehrtes Speicheln, Schwierigkeit Abzuschlucken, Zungenlähmung
  • apathisches Auftreten
  • Obstipation
  • reduzierte Reflexe
  • Atmung ist erschwert, bis hin zum Atemstillstand

Prophylaxe: Frisches Wasser für den Hund mitnehmen bei langen Spaziergängen/heißem Wetter, Futterhygiene einhalten, Fressen von gedüngten Feldern und Kadavern verbieten, Saufen von Gewässern/Pfützen unterbinden

Beim Pferd:

  • Nachhandschwäche, Zittern, schwankender Gang, starkes Schwitzen
  • umkoordinierte Kaubewegungen, Unvermögen Abzuschlucken
  • Verdauungsapparat gestört, womöglich Koliken
  • schlaffe Muskulatur, Kopf und Schweif hängt
  • weit aufgerissene Pupillen
  • Atemproblematiken bis hin zum Atemstillstand

Pferde sind recht empfindlich gegenüber des Botulinum-Toxins und die Sterberate liegt bei einer Infektion bei 90%. Sollte ein Ackerfeld oder Land (durch insbesondere Hühnergülle) befallen sein, sind diese jahrelang kontaminiert!

Prophylaxe: geprüftes und hochwertiges Heu und Silage verfüttern, Nagerbekämpfung betreiben

Der Ausbruch der Erkrankung ist abhängig von der Aufnahme der Menge des Giftes und kann von Stunden bis zu mehreren Tagen dauern. Sollte es tatsächlich zu einer Erkrankung kommen, ist die Prognose meist nicht sehr günstig, wenn die Atemmuskulatur betroffen ist, und schnelles Handeln erforderlich!

Therapie: Entleerung des Verdauungsapparates, Antitoxin, Antibiose

1a) Chronischer Botulismus
Die Agrar,-und Veterinärakademie und insbesondere die Tierärztin Dr Heigl beschreibt bereits 2011 eine chronische Form des Botulismus.
Die Symptomatik bei Hund und Katze:

  • wässriger/blutiger Durchfall und Erbechen
  • Regurgitieren (Hervorwürgen von unverdauter Nahrung)
  • Ödeme am Körper, Tier wirkt dick
  • Obstipation
  • starkes Kopfschütteln ohne eine Ohrenerkrankung aufzuweisen
  • apathisches Verhalten und Fressunlust
  • schneller Gewichtsverlust
  • Augenschleimhautentzündung mit blutigem Ausfluss, bzw blutigen Krusten bei der Katze
  • trockene und rote Augenschleimhaut
  • unkontrollierter Harnabsatz
  • hochgradige Gelenkschmerzen
  • gekrümmter Rücken
  • starkes Hecheln
  • Ekzeme, Abszesse, Nekrosen im Zehenbereich, Schleimhaut-Übergängen
  • teilw. aggressives Verhalten
  • orientierungslos
  • Verhornung der Nase und Fussballen
  • trotz Behandlung Rückfall möglich
  • gestörter Geruchssinn
  • starke Veränderung der Magen-Darm-Flora
  • Atem,-und Schluckbeschwerden -bis hin zum Atemstillstand
  • Übertragung auf den Menschen möglich

Da diese Form der Erkrankung noch nicht näher erläutert wurde, besteht weiterer Aufklärung,-und Forschungsbedarf.

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2.) Tetanus – Wundstarrkrampf
Grade der Pferde-Halter wird sich mit dieser Art von Bakterium sehr gut auskennen. Es handelt sich um die Spezies Chlostridium tetani – der Tetanus-Erreger. Pferde und Menschen sind besonders anfällig für den Wundstarrkrampf, der letztendlich ohne eine Antibiose und einem Antitoxin über eine Lähmung des Atmungsapparates zum Tode führt. Das Bakterium ist überall zu finden, insbesondere im Boden, wird über eine kleine Wunden aufgenommen. Hierbei bildet sich dann ein Toxin, das über den Blutweg zu den Nerven wandert. Es kommt zu extremen Versteifungen der Muskulatur. Pferde können dagegen geimpft werden, über eine Bestimmung des Impf-Titers im Blutbild kann man nachschauen, ob eine erneute Impfung anzuraten ist. Das übliche Impfschema beträgt sonst 2 Jahre.
Hunde und Katzen sind gegen Tetanus recht immun. Dennoch gibt es seltene Fälle bei Hunden, der Dalmatiner ist hier besonders betroffen. Auch hier wird der Erreger über eine kleine Wunde oder über Schleimhaut (Zahnen von Welpen!) aufgenommen. Die Erkrankung beginnt mit einer Versteifung des Kopfes. Es sieht aus, als ob der Hund lächle, die Lefzen ziehen sich nach hinten, der Kopf liegt in Falten, die Ohren sind zurückgeklappt. Das Tier ist sehr geräusch,-und lichtempfindlich und großen Schmerzen und Stress ausgesetzt. Der Wundstarrkrampf zieht sich dann bis zu den Hinterbeinen hindurch. Eine Impfung wird aber nur in den seltensten Fällen empfohlen.

Therapie: Antibiose und Antitoxin

Prophylaxe: Impfung beim Pferd

Prognose: Je nach Stadium der Erkrankung gut bis ungünstig

3.) Chlostridien perfringens – Dickdarmentzündung
Dieses Bakterium bildet im schlimmsten Fall ebenso Enterotoxine im Verdauungsapparat, ist allerdings auch bei einer gesunden Darmflora zu finden. Wird diese aber durch zB große Mengen an Antibiotika überflutet, führt dies zu einer übermäßigen Produktion dieses Gasbildners.

Ursache: Fressen von Erde oder normalen Nahrungsmitteln, Dysbiose der Darmflora

Symptomatik beim Hund:

  • akute bis chronische, immer wiederkehrende, Durchfälle (schleimig, teils blutig)
  • häufiger Absatzdrang
  • Erbrechen
  • Folge ist eine Dickdarmentzündung, die im schlimmsten/akuten Falle zum Schock führen kann

Therapie: Antibiose und Darmflora-Aufbau, Infusion, Immunsystem unterstützen

Prophylaxe: Gesunde Darmflora aufrecht halten, Antibiotika/Wurmkuren mit
Bedacht einsetzen, Kotprobe analysieren lassen

Da rundrum viele Felder gedüngt werden mit verschiedensten Pflanzenschutzmitteln – Pestiziden, Fungiziden (gegen Pilze) oder sogar Bioziden (tötet alles Lebende) möchte ich gerne auf die Toxizität auf unsere Tiere hinweisen!

Folgende Symptome können bei unseren Tieren bei Fressen und Berühren von Dünger/Pestiziden auftreten:

  • Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen und Durchfall (teils sogar mit blutigem Auswurf)
  • starker Juckreiz, beknabbern der Pfoten
  • „Hotspots“ am Bauch, Schenkelbereich
  • Nachhandschwäche bis hin zu Lähmungen
  • starkes Speicheln
  • apathisches Verhalten
  • Unruhe
  • veränderte Pupillengröße
  • schwankender Gang
  • weisse Schleimhäute (>2sec kapillare Rückfüllzeit)

Sollte Ihr Hund Vergiftungserscheinungen, einen Schock oder die oben genannten anderen Symptome zeigen, gehen Sie bitte umgehend zu einen Tierarzt! Es handelt sich hier immer um einen Notfall!

Mögliche Schocksymptome sind wie folgt zu erkennen:

  • die kapillare Rückfüllzeit liegt über 2 Sekunden, Schleimhäute sind blass bis weiss (Eindrücken des Zahnfleisches bis es wieder farbig/rosarot wird)
  • Hautfaltentest am Halsbereich, um eine Dehydrierung auszuschliessen
  • Pupillen sind verändert
  • apathisches oder sehr unruhiges Verhalten
  • teilw. schwankender Gang
  • schneller Puls
  • flache Atmung
  • Tier könnte eine niedrigere Körpertemperatur haben

 

Mit Hilfe einer Blutprobe, bzw Kotanalyse, die Sie auch bei einem Tierheilpraktiker anfordern lassen können, lassen sich die Erreger bestimmen und eine umfangreiche und solide Therapie beginnen.

Ich möchte mit diesem Post keine Panik schüren, aber auf mögliche Ursachen und Symptome hinweisen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass:

  • eine gute Prophylaxe lebenswichtig sein kann!
  • strikte Futterhygiene einzuhalten ist
  • die Wasseraufnahme Zuhause, bzw durch den Besitzer erfolgen sollte und fremde Quellen/Pfützen/Teiche usw gemieden werden sollten
  • das Fressen von Erde untersagt werden sollte
  • Tiere von gedüngten Feldern (auch unserer Bauern zur Liebe!) fernzuhalten
  • Antibiotika mit Bedacht einzusetzen ist

Eine schönen restlichen Sonntag & einen guten Start in die neue Woche!

Herzliche Grüße

Ihre Corinna Brzinsky